Neue Gleise für ein Kölner Wahrzeichen

Wer sich dem Kölner Hauptbahnhof aus Richtung Köln-Deutz nähert, der überquert den Rhein auf der rund 413 m langen Hohenzollernbrücke. Zusammen mit Rhein und Dom bildet sie eines der Wahrzeichen der Stadt.

Der Bau der ca. 24.000 Tonnen schweren Stahlfachwerkbogenbrücke erfolgte in den Jahren 1907 bis 1911. Ihren heutigen Namen verdankt sie den Reiterstandbildern der Kaiser und Könige aus dem Hause Hohenzollern auf der rechts- und linksrheinischen Rampe. Darunter befindet sich übrigens das einzige Reiterstandbild Wilhelms II. aus der Regierungszeit des Kaisers.

Bei der Fahrt über dieses eindrucksvolle, 40 m breite Bauwerk eröffnet sich den Reisenden nicht nur eine fantastische Panoramaaussicht auf die markante Stadtsilhouette der Domstadt. Auch die Brücke selbst dient seit jeher als beliebtes Postkarten- und Fotomotiv. Was kaum ein Reisender bemerkt: Die Brücke ist genau auf die Mittelachse des Domes ausgerichtet. Und weil dies so ist, müssen alle Züge vor Einfahrt in den Hauptbahnhof eine enge Kurve von rund 135 Grad fahren. Dies ist nicht nur eine echte Besonderheit, sondern auch der Grund für die starke Abnutzung der Gleise und Weichen auf dem Abschnitt Hohenzollernbrücke - Hauptbahnhof. Zählt doch die Brücke mit täglich rund 1.220 Zügen zu den am meisten befahrenen Eisenbahnbrücken Deutschlands.

Häufiger, als es normalerweise der Fall ist, müssen deshalb die Gleise und Weichen auf der Brücke erneuert werden. In der Regel geschieht dies alle sechs bis acht Jahre.

Zwischen dem 7. März und dem 27. April 2014 war es wieder so weit. Die erforderlichen Gleisbauarbeiten stellten das ausführende Unternehmen DB Netz AG vor große Herausforderungen. Denn als unmittelbarer Zuweg zum Hauptbahnhof konnte die Brücke natürlich nicht voll gesperrt werden. Stattdessen mussten die umfangreichen Bauarbeiten bei laufendem Betrieb erfolgen. Ein ausgeklügeltes Verkehrskonzept sorgte dafür, dass immer mindestens vier der sechs Brückengleise für den Eisenbahnverkehr in Betrieb blieben. Auf diese Weise ließen sich für die Reisenden die Einschränkungen im Nah- und Fernverkehr so gering wie möglich halten.

Insgesamt investierte DB Netz mehr als 11 Millionen Euro in die Baumaßnahmen, bei denen 14 Weichen und insgesamt 2.500 m Schienen erneuert wurden. Im Zuge der Bauarbeiten erneuerte die DB AG zeitgleich auch die Gleise und Weichen im Hauptbahnhof sowie im Bahnhof Köln Messe/Deutz. Auf eines können die Kölner besonders stolz sein: Die Brücke selbst ist trotz ihres fortgeschrittenen Alters von nunmehr 103 Jahren in gutem Zustand und kein bisschen sanierungsbedürftig.

"Ihrer" Brücke scheinen die Kölner überdies mit besonderer Sympathie zu begegnen. Davon zeugen die sogenannten "Liebesschlösser! an den Zäunen, die sich zwischen den Gleisen und den äußeren Fußwegen auf dem Bauwerk befinden. Ca. 150.000 Vorhängeschlösser haben Paare mittlerweile dort als Symbol ihrer Verbundenheit angebracht und den Schlüssel gemeinsam in den Rhein geworfen. Geschätzte zwanzig Tonnen Liebesschlösser schmücken heute die Brücke. Ein zusätzliches Gewicht, was der Brücke nichts ausmacht: Schließlich wiegt ein Regionalexpress mit fünf Doppelstockwagen bereits ohne Fahrgäste 350 Tonnen!